Modellprojekte mit Vorbildfunktion

15. Okt 2010

Regionalverband zeigt neue Wege zur Grundversorgung in ländlichen Räumen auf

Der Regionalverband Südlicher Oberrhein versteht sich als regionaler Impulsgeber. Dazu initiiert und nutzt er auch den Erfahrungsaustausch mit anderen Regionen und konnte Fördermittel der Europäischen Union erfolgreich für die Region einwerben. Auf einer internationalen Konferenz des INTERREG-Projekts ACCESS wurden gestern am 14.10.2010 im Historischen Kaufhaus in Freiburg Probleme und Perspektiven zur Verbesserung der Versorgung und deren Erreichbarkeit in ländlichen Gebieten aufgezeigt.


Auch in unserer Region ist die Sicherung der Grundversorgung und deren Erreichbarkeit eine der zentralen Herausforderungen für Städte und Gemeinden. Immer mehr Orte im ländlichen Raum erleben, wie kleine Einzelhändler schließen müssen und damit einen Bedeutungs- und Funktionsverlust der Gemeinde bewirken. Das klassische Instrumentarium der Regionalplanung und der kommunalen Bauleitplanung reicht allein jedoch nicht aus, um zukunftsfähige Versorgungsangebote aufzubauen bzw. zu erhalten.

Der Regionalverband hat sich dieser Herausforderungen auf innovative Weise angenommen: Mit Unterstützung der Europäischen Union und gemeinsam mit Partnern aus Italien, Frankreich, Österreich und der Schweiz werden im Rahmen des INTERREG-IV-B-Projekts ACCESS Möglichkeiten zur Sicherung der Grundversorgung gesucht.

Die Ergebnisse dieses Projektes wurden rund 120 nationalen und internationalen Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Verbänden vorgestellt und diskutiert.

Otto Neideck, Vorsitzender des Regionalverbands Südlicher Oberrhein lobte die Projektpartner für die hervorragende Zusammenarbeit und bedankte sich bei den zuständigen Stellen des Alpenraumprogramms für die großzügige finanzielle Förderung. Allein die Region Südlicher Oberrhein konnte mit dem Projekt ACCESS rund 350.000 EURO EU-Fördermittel einwerben. Das Gesamtprojekt wird von acht Regionen getragen, denen zusammen für die dreijährige Laufzeit ein Budget von insgesamt rund 2,5 Mio. EURO zur Verfügung steht. Rund 76 % davon übernimmt die Europäische Union.

Otto Neideck betonte, dass der Regionalverband das gesamte Spektrum seiner Möglichkeiten nutze, um die Region innovativ weiterzuentwickeln. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die umgesetzten regionalen Entwicklungskonzepte, wie das Projekt FLAIR oder auch die Strategische Partnerschaft zum Klimaschutz. Nicht weniger wichtig war ihm jedoch, dass der Regionalverband im Juli 2010 den Satzungsbeschluss zur Teilfortschreibung „Einzelhandelsgroßprojekte“ fassen konnte. „Wir stellen damit einen rechtlichen Rahmen zur Verfügung, mit dem innerörtliche Zentren geschützt und die Gewährleistung einer ausreichenden Daseinsvorsorge in allen Teilräumen nicht erschwert wird“, so Verbandsvorsitzender Otto Neideck.

Dr. Dieter Karlin, Direktor des Regionalverbands Südlicher Oberrhein, wies darauf hin, dass die Region vor dem Hintergrund des demographischen Wandels eine Gesamtstrategie zur Förderung der ländlichen Räume brauche, zumal 75% der Fläche der Region zum Ländlichen Raum zähle. Gegenüber zahlreichen Bürgermeistern und Regionalräten sicherte er zu, dass die kleinen Städte und Gemeinden im Schwarzwald weiterhin im Fokus des regionalen Handels ständen. Dr. Dieter Karlin betonte, dass der demographische Wandel für viele ländliche Räume enorme Herausforderungen mit sich brächte. Dies erfordere adäquate, umsetzbare und flexible Lösungsansätze.

Neben der anstehenden Gesamtfortschreibung des Regionalplans komme es insbesondere auf die Beratung der Kommunen und dem Vermitteln konkreter Entwicklungsimpulse an, so Dr. Karlin. Ziel sei es, zukunftsfähige Strukturen zu entwickeln und zu etablieren, um den Menschen den Alltag zu erleichtern. Auch den Anbietern der Grundversorgung, beispielsweise den kleinen Händlern vor Ort, will der Regionalverband mit dem Projekt ACCESS eine Perspektive geben.

Regierungspräsident Julian Würtenberger lobte die vorbildhafte Funktion der initiierten Projekte und stellte die Wichtigkeit von zukunftsfähigen Strategien für die Region heraus. Die Entwicklung der Trinationalen Metropolregion Oberrhein und die Unterstützung der ländlichen Räume stellten keineswegs einen Gegensatz dar, so betonte Regierungspräsident Julian Würtenberger. Vielmehr komme es darauf an, alle Teilräume in das Konzept der Metropolregion zu integrieren. Von der Idee, sich als grenzüberschreitender Raum vom Schwarzwald und bis in die Vogesen aufzustellen, könnten alle Räume der polyzentralen Metropolregion profitieren.

Ministerialdirigent Hartmut Alker vom Ministerium für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz Baden-Württemberg zeigte Fördermöglichkeiten für ländliche Räume auf und sicherte zu, dass das Land die Gemeinden auch zukünftig unterstützen werde. Die Schwerpunkte der Förderprogramme umfassten ausdrücklich auch die Versorgung mit Breitbandinfrastruktur.

Dr. Florian Ballnus, Leiter der Nationalen Kontaktstelle des europäischen Alpenraumprogramms, ermunterte die Städte und Gemeinden dazu, den Austausch mit andere Regionen zu suchen und die EU-Programme zum Territorialen Zusammenhalt (INTERREG) zu nutzen. Er machte deutlich, dass in dieser Förderperiode (2007-2013) im Rahmen des Alpenraumprogramms insgesamt 97,7 Mio. EURO an EU-Fördermitteln aus dem EFRE-Programm (das entspricht einer Förderquote von 76%) und damit ein Gesamtbudget von 129,9 Mio. EURO inklusive der Kofinanzierung durch die Projektpartner zur Verfügung stünden.

Dr. Florian Ballnus hob in seinem Vortrag auch das Engagement des Regionalverbands Südlicher Oberrhein hervor. Nach PUSEMOR (2005 – 2007) führt dieser nun bereits sein zweites INTERREG-Projekt durch und ermöglicht damit erneut die Beteiligung von zwei kleinen Gemeinden am Alpenraumprogramm. Dr. Ballnus lobte die hohe Qualität des Projektes ACCESS und die Kontinuität der Aktivitäten. Wie konkret und greifbar die mit dem Programm erzielten Erfolge sind, wurde auf der Veranstaltung im Historischen Kaufhaus eindrucksvoll deutlich.

Die Koordination der unterschiedlichen Projektpartner von ACCESS ist Aufgabe der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB). Direktor Thomas Egger beleuchtete in seinem Vortrag die Herausforderungen für Regionen und Gemeinden bei der Sicherung der Grundversorgung und machte deutlich, dass durch Projekte wie ACCESS übertragbare Modelle für andere Regionen aufgezeigt werden könnten.

Die Situation in der Region Südlicher Oberrhein und die spezifische Antwort darauf schilderte Prof. Dr. Gabi Troeger-Weiß. Sie betreut mit ihrem Lehrstuhl Regionalentwicklung und Raumordnung der Technischen Universität Kaiserslautern die Umsetzung der Pilotprojekte und begleitet diese wissenschaftlich. Prof. Dr. Gabi Troeger-Weiß zeigte in ihrem Vortrag auf, wie die Versorgungsmöglichkeiten und deren Erreichbarkeit über lokale Lieferdienste und elektronischen Handel („E-Commerce“) verbessert werden können. Wie anhand der in der Region Südlicher Oberrhein initiierten Projekte „Freiamt bringt’s“ und „Wolfach bringt’s“ deutlich werde, gehöre eine aktive Beteiligung der Bevölkerung für das Gelingen solcher Projekte dazu. Deshalb habe man bei beiden Projekten eine Haushaltsbefragung durchgeführt und eine Informations- und Werbekampagne begleitet.

In der von Thomas Egger, Direktor der Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete, moderierten international besetzten Podiumsdiskussion konnten Hannelore Reinbold-Mench, Bürgermeisterin der Gemeinde Freiamt, und Gottfried Moser, Bürgermeister der Stadt Wolfach nochmals ihre Perspektive auf die Pilotprojekte darstellen. Beide Kommunen sind mit den Initiativen „Freiamt bringt’s“ bzw. „Wolfach bringt’s“ aktiv in das Projekt ACCESS eingebunden. Seit Mai bzw. Oktober 2010 kann man dort über eine Internetplattform, aber auch über Telefon oder per Fax, Waren des täglichen Bedarfs bei den örtlichen Einzelhändlern bestellen und sie sich gegen eine geringe Servicepauschale bis an die Haustür liefern lassen.

Nachdem in der Podiumsdiskussion bereits kurz der internationale Charakter des Gesamtprojekts ACCESS deutlich wurde, hatten die Teilnehmer am Nachmittag Gelegenheit, sich direkt mit den Vertretern der acht Partnerregionen auszutauschen und sich auf einem Rundgang ein eigenes Bild von den Pilotprojekten zu machen. Dabei wurde deutlich, dass die Verbesserung der Grundversorgung integrierte Ansätze erfordert, die auch die Bereiche Mobilität sowie Informations- und Kommunikationstechnologien einschließen.

Weitergehende Erkenntnisse werden im Sommer 2011 bei der Abschlussveranstaltung des Projekts ACCESS in Mailand vorgestellt.

Eine Dokumentation des Projekts und Hinweise zu weiteren Vorhaben des Regionalverbands finden sich im Internet unter www.region-suedlicher-oberrhein. de. Weitere Informationen zum INTERREG-Projekt ACCESS und Links zu den acht Partnerregionen können Sie unter www.access-alpinespace.eu einsehen. Die beiden Pilotprojekte in der Region Südlicher Oberrhein sind unter www.freiamt-bringts.de bzw. www.wolfach-bringts.de zu erreichen.

Eine Veranstaltung des INTERREG-Projekts ACCESS („Improving Accessibility of Services of General Interest – Organisational Innovations in Rural Mountain Areas“), mit Unterstützung der Europäischen Union.

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